Energiekrise
Die Strompreise erreichen im Februar neue Höchststände. Wir analysieren die Gründe für den drastischen Anstieg und zeigen, wie Verbraucher jetzt reagieren sollten. Energieexperten erwarten erst im Frühjahr eine Entspannung der Lage.
Redakteurin Energiemarkt
Anna Schmidt ist Wirtschaftsjournalistin mit Schwerpunkt Energiemärkte und Energiepolitik. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre berichtete sie mehrere Jahre über europäische Energiepolitik aus Brüssel. Heute analysiert sie Marktentwicklungen und ihre Auswirkungen auf Verbraucher.
Die Strompreise in Deutschland haben im Januar 2026 ein neues Allzeithoch erreicht. An der Strombörse EPEX SPOT kletterte der Day-Ahead-Preis zeitweise auf über 450 Euro pro Megawattstunde — das sind umgerechnet 45 Cent pro Kilowattstunde. Für Verbraucher bedeutet das: Der ohnehin teure Strom wird nochmals deutlich teurer. Doch was steckt hinter dem Preisanstieg?
Der Winter 2025/2026 zählt zu den kältesten seit zwei Jahrzehnten. Die Temperaturen lagen im Januar bundesweit drei bis fünf Grad unter dem langjährigen Mittel. Die Folge: Millionen Haushalte heizen auf Hochtouren — insbesondere die wachsende Zahl an Wärmepumpen treibt den Stromverbrauch in die Höhe.
Während der Kältewelle wehte kaum Wind. Die installierte Windkraftleistung von über 70 Gigawatt konnte zeitweise nur fünf bis zehn Prozent ihrer Kapazität abrufen. Diese sogenannte Dunkelflaute zwang die Netzbetreiber, teure Gaskraftwerke hochzufahren.
„Die Dunkelflaute im Januar hat gezeigt, dass wir die Flexibilität des Stromsystems dringend ausbauen müssen. Speicher, steuerbare Lasten und europäische Vernetzung sind der Schlüssel." — Prof. Dr. Claudia Kemfert, DIW Berlin
Die Gaspreise am TTF-Hub haben sich seit Oktober 2025 nahezu verdoppelt. Die Gründe: geringere LNG-Lieferungen aus den USA nach einem Hafenunfall in Sabine Pass und eine angespannte globale Nachfragesituation. Da Gas als Backup-Energieträger für die Stromproduktion unverzichtbar bleibt, schlagen die hohen Gaspreise direkt auf den Strommarkt durch.
Die Börsenpreise sind nicht identisch mit dem, was Endkunden zahlen. Dank langfristiger Beschaffungsstrategien der Versorger liegt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis im Februar 2026 bei etwa 38 bis 42 Cent pro Kilowattstunde. Doch Neuabschlüsse und Grundversorgungstarife können deutlich darüber liegen.
Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh bedeutet das jährliche Stromkosten zwischen 1.330 und 1.470 Euro — rund 200 Euro mehr als noch vor einem Jahr.
Wer noch in der Grundversorgung ist, kann durch einen Wechsel zu einem günstigeren Tarif sofort sparen. Vergleichsportale zeigen aktuell Tarife ab 34 Cent pro kWh an — allerdings mit steigender Tendenz.
Eine Photovoltaikanlage mit Speicher senkt die Abhängigkeit vom Netzstrom drastisch. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 70 Prozent können Haushalte ihre Stromkosten um mehr als die Hälfte reduzieren. Die Investition rechnet sich angesichts der aktuellen Preise schneller denn je.
Seit 2025 sind alle Energieversorger verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten. Wer seine Verbrauchsgewohnheiten anpassen kann — etwa Waschmaschine und Spülmaschine in Zeiten niedriger Börsenpreise laufen lassen — spart im Jahresmittel 15 bis 25 Prozent gegenüber Festpreistarifen.
Experten erwarten für das Frühjahr 2026 eine moderate Entspannung. Mit steigender Sonneneinstrahlung und dem Abklingen des Heizbedarfs dürften die Börsenpreise wieder unter 200 Euro pro MWh fallen. Langfristig bleibt die Preisentwicklung jedoch abhängig vom Ausbau der erneuerbaren Energien, der Speicherkapazitäten und der europäischen Netzinfrastruktur.
Für viele Experten steht fest: Wer seine Energieversorgung selbst in die Hand nimmt, ist den Schwankungen des Strommarkts deutlich weniger ausgesetzt. Die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und intelligentem Energiemanagement ist 2026 nicht mehr Luxus, sondern wirtschaftliche Vernunft.
Börsenstrompreise: EPEX SPOT SE. Verbraucherdaten: Bundesnetzagentur. Alle Preise und Marktdaten in diesem Artikel basieren auf dem Stand Februar 2026.