Heizungs-Ratgeber
1,6 Millionen Nachtspeicherheizungen stehen noch in deutschen Wohnungen. Sie heizen mit dem teuersten Energieträger: Strom 1:1 in Wärme. Wir vergleichen sechs Alternativen mit 20-Jahres-Kostenrechnung und klären den Sonderfall Mietwohnung.
Technik-Redakteur
Markus Weber ist Ingenieur und Technikjournalist mit Leidenschaft für innovative Energietechnologien. Er testet und bewertet Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Wärmepumpen. Seine praxisnahen Ratgeber helfen Hausbesitzern, die richtige Entscheidung für ihre Energiewende zu treffen.
1,6 Millionen Nachtspeicherheizungen stehen noch in deutschen Wohnungen — die meisten in Mehrfamilienhäusern aus den 1960er bis 1980er Jahren. Sie heizen mit dem teuersten Energieträger überhaupt: Strom, direkt in Wärme umgewandelt, mit einem Wirkungsgrad von praktisch 1:1. Welche Alternativen gibt es 2026, was kosten sie, und wann ist Infrarot tatsächlich die bessere Wahl?
Eine Nachtspeicherheizung in einer 80-m²-Wohnung verbraucht typischerweise 8.000 bis 12.000 kWh Strom pro Jahr (inkl. Warmwasser, falls elektrisch).
| Kostenposition | Nachtspeicher (2026) | |---|---| | Stromverbrauch | 10.000 kWh | | Strompreis (HT/NT-Misch) | ca. 30 Ct/kWh | | Jährliche Heizkosten | ca. 3.000 € |
Zum Vergleich: Eine Gasheizung kostet für dieselbe Wohnung ca. 1.200 € pro Jahr, eine Wärmepumpe ca. 900 €.
Früher gab es günstige Nachtstromtarife (HT/NT) mit Nachtpreisen unter 15 Ct/kWh. Heute liegt der NT-Tarif bei 25–30 Ct/kWh — die Preisdifferenz zum Tagstrom ist minimal geworden. Der wirtschaftliche Vorteil des „nachts billig laden" ist weitgehend verschwunden.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition (inkl. Installation) | 20.000–30.000 € | | Förderung (KfW 458) | Bis 70 % → Eigenanteil 6.000–9.000 € | | Jährliche Heizkosten (80 m²) | 800–1.200 € | | Ersparnis vs. Nachtspeicher | ca. 1.800–2.200 €/Jahr | | Amortisation (nach Förderung) | 3–5 Jahre | | Herausforderung | Braucht Wasserverteilung (Heizkörper/FBH) |
Das Problem: Nachtspeicher-Wohnungen haben meist kein wassergeführtes Heizsystem — keine Rohre, keine Heizkörper. Die Installation einer Wärmepumpe erfordert daher eine komplette Neuinstallation des Wärmeverteilsystems. Das kann die Kosten verdoppeln und ist bei bewohnten Mietwohnungen extrem aufwändig.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition (3 Innengeräte + Außengerät) | 5.000–10.000 € | | Förderung | Derzeit keine (nur für wassergeführte Systeme) | | Jährliche Heizkosten | 900–1.400 € | | Ersparnis vs. Nachtspeicher | ca. 1.600–2.100 €/Jahr | | Amortisation | 3–6 Jahre | | Vorteil | Keine Wasserverteilung nötig, Kühlung im Sommer |
Die elegante Lösung, wenn kein Wasserverteilsystem existiert: Multi-Split-Klimaanlagen mit Heizfunktion erreichen einen COP von 3–4 und können direkt an der Wand montiert werden — ohne Rohre im Boden. Nachteil: Die Wärmeverteilung im Raum ist weniger gleichmäßig als bei Heizkörpern oder Fußbodenheizung.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition (80 m², 6–8 Paneele) | 3.000–6.000 € | | Förderung | Keine | | Jährliche Heizkosten | 2.000–2.800 € | | Ersparnis vs. Nachtspeicher | ca. 200–1.000 €/Jahr | | Amortisation | 3–30 Jahre (stark abhängig von Dämmung) | | Vorteil | Günstigste Investition, kein Umbau nötig |
Infrarot-Paneele sind nur sinnvoll, wenn alle fünf Kriterien erfüllt sind:
In schlecht gedämmten Altbauten sind Infrarot-Paneele kaum günstiger als Nachtspeicher — sie heizen zwar effizienter (Strahlungswärme statt Konvektion), aber der Gesamtverbrauch bleibt hoch.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition (Anschluss + Übergabestation) | 5.000–15.000 € | | Förderung | BEG-Förderung möglich | | Jährliche Heizkosten | 1.000–1.500 € | | Ersparnis vs. Nachtspeicher | ca. 1.500–2.000 €/Jahr | | Voraussetzung | Fernwärmenetz im Gebiet vorhanden |
Die einfachste Lösung — wenn verfügbar. Die Wärme kommt über ein Rohrnetz ins Haus, Sie brauchen nur eine Übergabestation und ein Wärmeverteilsystem. Prüfen Sie die kommunale Wärmeplanung Ihrer Stadt.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition | 20.000–30.000 € | | Förderung | Bis 70 % (KfW 458) | | Jährliche Heizkosten | 900–1.300 € | | Herausforderung | Pelletlager nötig (ca. 5 m²), Ascheentsorgung |
Für Einfamilienhäuser mit Keller und Lagerplatz eine Option. Für Mietwohnungen in MFH meist nicht praktikabel.
| Kriterium | Wert | |---|---| | Investition | 12.000–18.000 € | | Jährliche Heizkosten | 1.200–1.600 € | | Förderung | Nur für den WP-Anteil | | Zukunftssicherheit | Mittelfristig (steigende CO₂-Kosten) |
Nur sinnvoll, wenn ein Gasanschluss vorhanden ist und die 65-Prozent-Pflicht durch den WP-Anteil erfüllt wird.
| System | Investition (nach Förderung) | Heizkosten/Jahr | 20-Jahres-Gesamtkosten | |---|---|---|---| | Nachtspeicher (Weiternutzung) | 0 € | 3.000 € | 60.000 € | | Wärmepumpe (Luft-Wasser) | 8.000 € | 1.000 € | 28.000 € | | Split-Klima (Luft-Luft) | 8.000 € | 1.100 € | 30.000 € | | Infrarot (gut gedämmt) | 5.000 € | 2.200 € | 49.000 € | | Infrarot (schlecht gedämmt) | 5.000 € | 2.800 € | 61.000 € | | Fernwärme | 10.000 € | 1.200 € | 34.000 € |
Strompreise mit 2 % jährlicher Steigerung berechnet. Wartungskosten eingerechnet.
Die Wärmepumpe spart über 20 Jahre 32.000 Euro gegenüber dem Weiterbetrieb der Nachtspeicherheizung — selbst nach Abzug der Investition.
Nachtspeicherheizungen gehören zu den teuersten Heizsystemen überhaupt. Die Frage ist nicht ob, sondern wie man sie ersetzt. Für Eigentümer ist die Wärmepumpe der klare Gewinner — nach Förderung die günstigste 20-Jahres-Lösung mit Abstand. Für Mietwohnungen ohne Wasserverteilung ist die Split-Klimaanlage die pragmatischste Alternative. Infrarot lohnt sich nur in gut gedämmten Gebäuden. Und wer in einem Fernwärmegebiet wohnt, hat es am einfachsten.
Quellen: BDEW, Verbraucherzentrale, KfW, BWP, Destatis (Gebäude- und Wohnungsbestand), Fraunhofer ISE. Stand: Februar 2026.