Verbraucherschutz
Bis zu 10 Prozent weniger Leistung als auf dem Datenblatt — das Fraunhofer ISE hat Solarmodule nachgemessen und Abweichungen aufgedeckt. Wir zeigen, was das finanziell bedeutet und wie Sie sich beim Kauf schützen können.
Technik-Redakteur
Markus Weber ist Ingenieur und Technikjournalist mit Leidenschaft für innovative Energietechnologien. Er testet und bewertet Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Wärmepumpen. Seine praxisnahen Ratgeber helfen Hausbesitzern, die richtige Entscheidung für ihre Energiewende zu treffen.
Eine aktuelle Studie des Fraunhofer ISE sorgt für Unruhe in der Solarbranche: Zahlreiche Hersteller geben die Nennleistung ihrer Photovoltaikmodule systematisch zu hoch an. Die Abweichungen betragen in einigen Fällen bis zu 10 Prozent. Für Verbraucher bedeutet das: Die Anlage auf dem Dach liefert weniger Strom als versprochen.
Im Februar 2026 veröffentlichte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE eine Untersuchung, bei der Solarmodule verschiedener Hersteller unter standardisierten Testbedingungen (STC: 1.000 W/m², 25 °C Zelltemperatur, AM 1.5) vermessen wurden. Das Ergebnis: Ein signifikanter Anteil der getesteten Module erreichte die auf dem Typenschild angegebene Nennleistung nicht.
Die Abweichungen bewegen sich typischerweise zwischen 2 und 5 Prozent unter der Nennleistung. In Einzelfällen lagen sie bei bis zu 10 Prozent. Bei einem 400-Wp-Modul bedeutet das: Statt 400 Watt liefert es unter Standardbedingungen nur 360 bis 392 Watt.
Der Solarmodulmarkt ist ein Verdrängungswettbewerb. Die Modulpreise sind in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 40 Prozent gefallen — teilweise unter die Herstellungskosten chinesischer Produzenten. In diesem Umfeld entsteht ein Anreiz, Module auf dem Papier leistungsfähiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind.
Die Methoden sind vielfältig:
Module werden aus Zellen zusammengesetzt, die in der Produktion vermessen und nach Leistung sortiert (geflasht) werden. Manche Hersteller verwenden großzügige Toleranzen bei dieser Sortierung oder messen unter Bedingungen, die leicht von den STC abweichen.
Einige Hersteller geben die Leistung der besten Zelle im Modul an, nicht den Durchschnitt. Da die schwächste Zelle in einer Serienschaltung den Strom begrenzt, liegt die tatsächliche Modulleistung immer unter dem theoretischen Maximum.
In Europa gibt es keine verpflichtende unabhängige Leistungszertifizierung für jedes einzelne Modul. Die IEC-Zertifizierung (IEC 61215) prüft die Sicherheit und grundlegende Leistungsparameter, aber nicht die exakte Übereinstimmung von Nennleistung und tatsächlicher Leistung in der Serienfertigung.
Rechenbeispiel für eine typische Aufdachanlage mit 10 kWp:
| Szenario | Jahresertrag (Süd, 30°) | Einbuße über 25 Jahre | |---|---|---| | Nennleistung wie angegeben | ca. 10.000 kWh/a | — | | 5 % unter Nennleistung | ca. 9.500 kWh/a | −12.500 kWh | | 10 % unter Nennleistung | ca. 9.000 kWh/a | −25.000 kWh |
Bei einem angenommenen Strompreis von 32 Cent/kWh und 50 Prozent Eigenverbrauch entspricht eine Minderleistung von 5 Prozent einem finanziellen Verlust von etwa 2.000 bis 4.000 Euro über die Lebensdauer der Anlage. Bei 10 Prozent Abweichung verdoppelt sich dieser Betrag.
Das Fraunhofer ISE und das PHOTON-Labor veröffentlichen regelmäßig unabhängige Modultest. Auch die Stiftung Warentest hat 2025 Solarmodule getestet. Diese Tests geben Aufschluss über die tatsächliche Leistung und Qualität.
Seriöse Hersteller gewähren eine Leistungsgarantie: Mindestens 80 Prozent der Nennleistung nach 25 Jahren, mindestens 84 Prozent nach 25 Jahren bei Premium-Herstellern. Achten Sie darauf, dass die Garantie auch die Anfangsleistung (Toleranz bei Auslieferung) abdeckt — idealerweise mit einer positiven Leistungstoleranz (z. B. 0/+5 Wp).
Jedes Modul wird in der Produktion geflasht — also unter definierten Bedingungen vermessen. Seriöse Hersteller liefern eine Flashliste mit, die die tatsächlich gemessene Leistung jedes einzelnen Moduls dokumentiert. Fordern Sie diese Liste bei Ihrem Installateur an.
Hersteller wie SunPower/Maxeon, REC, Meyer Burger oder Solarwatt haben in unabhängigen Tests durchweg gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt. Chinesische Tier-1-Hersteller wie Longi, JA Solar und Trina Solar schneiden ebenfalls solide ab — aber gerade bei No-Name-Modulen ist Vorsicht geboten.
Vergleichen Sie den tatsächlichen Ertrag Ihrer Anlage mit dem prognostizierten Ertrag (z. B. über das PVGIS-Tool der EU-Kommission). Weicht der Ertrag dauerhaft um mehr als 10 Prozent nach unten ab, kann ein technisches Problem oder eine Minderleistung der Module vorliegen.
Experten fordern strengere Regulierung:
„Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass ein 400-Watt-Modul auch 400 Watt liefert. Die Branche muss hier nachbessern — sonst gefährdet sie das Vertrauen in die Photovoltaik insgesamt." — Dr. Harry Wirth, Fraunhofer ISE
Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass blinder Vertrauen in Herstellerangaben nicht angebracht ist. Wer eine PV-Anlage plant, sollte auf unabhängig getestete Module setzen, die Flashliste anfordern und den Ertrag nach Inbetriebnahme kontrollieren. Die gute Nachricht: Die Mehrheit der am Markt verfügbaren Module liegt innerhalb akzeptabler Toleranzen. Aber Ausreißer gibt es — und die kosten bares Geld.
Quellen: Fraunhofer ISE, IEC 61215, PVGIS (EU JRC), Stiftung Warentest. Stand: Februar 2026.