Kostenanalyse
Mindestens 55 Euro pro Tonne CO₂ ab 2026 — erstmals im Preiskorridor statt als Festpreis. Für Gas- und Ölheizungen bedeutet das spürbar höhere Kosten. Wir rechnen vor, wie stark die Belastung steigt, und zeigen Sofortmaßnahmen sowie langfristige Auswege.
Redakteurin Energiemarkt
Anna Schmidt ist Wirtschaftsjournalistin mit Schwerpunkt Energiemärkte und Energiepolitik. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre berichtete sie mehrere Jahre über europäische Energiepolitik aus Brüssel. Heute analysiert sie Marktentwicklungen und ihre Auswirkungen auf Verbraucher.
Mindestens 55 Euro pro Tonne CO₂ — so viel kostet das Klimagas seit Januar 2026 im nationalen Emissionshandel. Statt eines Festpreises gilt erstmals ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne, in dem Zertifikate versteigert werden. Für Millionen Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen, bedeutet das spürbar höhere Heizkosten. Wir rechnen vor, wie stark die Belastung steigt — und welche Optionen es gibt.
Seit 2021 gilt in Deutschland ein nationaler CO₂-Preis für die Sektoren Verkehr und Gebäude — die Bereiche, die nicht vom europäischen Emissionshandel (EU-ETS) erfasst werden. Anbieter von Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel müssen Emissionszertifikate kaufen und geben die Kosten an die Verbraucher weiter.
Die Preisentwicklung:
| Jahr | CO₂-Preis pro Tonne | Aufschlag Erdgas | Aufschlag Heizöl | |---|---|---|---| | 2021 | 25 € | 0,5 Ct/kWh | 0,7 Ct/kWh | | 2022 | 30 € | 0,6 Ct/kWh | 0,8 Ct/kWh | | 2023 | 30 € | 0,6 Ct/kWh | 0,8 Ct/kWh | | 2024 | 45 € (Festpreis) | 0,9 Ct/kWh | 1,2 Ct/kWh | | 2025 | 55 € (Festpreis) | 1,1 Ct/kWh | 1,5 Ct/kWh | | 2026 | 55–65 € (Preiskorridor) | 1,1–1,3 Ct/kWh | 1,5–1,7 Ct/kWh |
Der Systemwechsel 2026 ist bedeutsam: Statt eines politisch festgelegten Festpreises werden Emissionszertifikate erstmals in einem Auktionsverfahren versteigert — allerdings innerhalb des Preiskorridors von 55 bis 65 Euro. Ab 2027 soll der nationale Emissionshandel in das EU-weite System ETS 2 überführt werden. Dann bestimmt der Markt den Preis ohne Korridor — und Experten rechnen mit deutlich höheren Werten: 80 bis 150 Euro pro Tonne bis 2030.
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht 20.000 kWh Erdgas pro Jahr. Die CO₂-Kosten:
| Jahr | CO₂-Aufschlag pro kWh | Jahreskosten CO₂ | |---|---|---| | 2024 | 0,9 Ct | 180 € | | 2025 | 1,1 Ct | 220 € | | 2026 | 1,1–1,3 Ct | 220–260 € | | 2030 (Prognose: 120 €/t) | 2,4 Ct | 480 € |
Die CO₂-Kosten kommen auf den regulären Gaspreis obendrauf. Bei einem Gaspreis von aktuell 10 bis 12 Cent/kWh machen sie bereits etwa 10 Prozent der Gesamtkosten aus — Tendenz stark steigend.
Heizöl ist noch CO₂-intensiver als Erdgas. Pro Liter Heizöl werden etwa 2,65 kg CO₂ freigesetzt. Für ein Einfamilienhaus mit 2.000 Litern Jahresverbrauch:
| Jahr | CO₂-Aufschlag pro Liter | Jahreskosten CO₂ | |---|---|---| | 2024 | 11,9 Ct | 238 € | | 2025 | 14,6 Ct | 292 € | | 2026 | 14,6–17,2 Ct | 292–344 € | | 2030 (Prognose: 120 €/t) | 31,8 Ct | 636 € |
Seit 2023 gilt das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG). Die Kosten werden je nach energetischem Zustand des Gebäudes zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt:
| CO₂-Ausstoß des Gebäudes | Vermieter-Anteil | Mieter-Anteil | |---|---|---| | > 52 kg CO₂/m²/a (sehr schlecht) | 95 % | 5 % | | 32–37 kg CO₂/m²/a | 50 % | 50 % | | 17–22 kg CO₂/m²/a | 20 % | 80 % | | < 12 kg CO₂/m²/a (sehr gut) | 0 % | 100 % |
Die Logik: Je schlechter der energetische Zustand des Gebäudes, desto mehr muss der Vermieter zahlen — denn er ist für die Sanierung verantwortlich. Für Vermieter unsanierter Altbauten wird der CO₂-Preis damit zum starken finanziellen Anreiz für energetische Modernisierung.
Der CO₂-Preis wird nur steigen — das ist politisch gewollt und ökonomisch unvermeidlich, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Jede Investition in Energieeffizienz und erneuerbare Wärme wird sich daher mit jedem Jahr stärker rentieren.
Rechenbeispiel: Ein Heizungstausch von Gas auf Wärmepumpe kostet nach Abzug der Förderung (bis zu 70 %) etwa 8.000 bis 15.000 Euro netto. Bei aktuellen CO₂-Kosten von 220 Euro/Jahr für Gas spart allein der wegfallende CO₂-Preis über 20 Jahre mindestens 6.000 bis 10.000 Euro — mit steigender Tendenz. Hinzu kommen die eingesparten Gaskosten.
Der steigende CO₂-Preis ist kein Fehler im System — er ist das System. Der Preis soll fossile Energieträger verteuern und den Umstieg auf erneuerbare Alternativen wirtschaftlich machen. Die Einnahmen fließen teilweise zurück:
Der CO₂-Preis von 55 Euro pro Tonne ist erst der Anfang. Bis 2030 sind 120 Euro und mehr realistisch. Für Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen, wird die finanzielle Belastung spürbar zunehmen. Die gute Nachricht: Es gibt effektive Gegenmaßnahmen — von der einfachen Heizungsoptimierung bis zum vollständigen Heizungstausch. Wer jetzt handelt, vermeidet steigende Kosten und steigert gleichzeitig den Wert seiner Immobilie.
Quellen: Bundesregierung, UBA, BMWK, CO2KostAufG, Agora Energiewende, Verivox. Stand: Februar 2026.